Katzenbuckel – Der Mount Everest des Odenwaldes (mit Fotos)

Was dem Tibetaner sein(e) Chomolungma (Mutter des Universums) oder dem Nepalesen sein Sagaramatha (Stern des Himmels) ist, das ist der Katzenbuckel für den Odenwälder – der höchste Berg im Odenwald. Von Heidelberg zum nächsten Ort beim Katzenbuckel, Waldkatzenbach, sinde es knapp über 40 Kilometer Fahrt. Zwar ist der Kateznbuckel mit 626 Metern deutlich über 8 Kilometer kleiner als sein – bei uns unter dem Namen Mount Evererst bekannter – Bergkollege aus dem nepalesisch-tibetanischen Grenzgebiet, dafür allerdings auch mit begrenzter Bergerfahrung und büroverdorbener Kondition leichten Fußes zu besteigen.

Ganz zu schweigen davon, dass sich auf dem Gipfel statt eines mickrigen Gipfelkreuzes ein massiver Sandsteinturm erhebt – den man allerdings auch dringend benötigt, um die durchaus beeindruckende Aussicht über die Wipfel der umgebenden Bäume hinweg genießen zu können. Es weht einem ein nicht ganz so kalter Wind um die Nase wie am Everest, aber für den Odenwald hat’s gereicht, um ihm den Beinamen „Winterhauch“ zu verleihen. Sogar eine Skischanze findet sich an diesem vergleichsweise frostigem Ort.

Das Basislager ist nur ein paar Schritte vom Gipfel entfernt, nennt sich Turmschenke und statt Büchsenfraßes und geschmolzenen Schnees, kann man hier allerlei Getier aus den Wäldern der Region zu sich nehmen aber auch spezielle Kreationen des Küchenchefs wie „Odenwälder Misthaufen“ oder Grünkern-Gerichte in verschiedenen Variationen. Letzeres ist regionstypisch und würde auch dem Heidelberg-Blogger munden. Das auch als „Badischer Reis“ bekannte Getreide wurde eigentlich als „Unfall“ entdeckt. Es handelt sich um unreif geernteten Dinkel (früher zwangsweise wegen anhaltender Schlechtwetterperioden), der gedarrt wird und danach ganz ausgezeichnet schmeckt. Traditionell wurde das Getreide über Buchenholzfeuern getrocknet, was dem gründlichen Korn sein ganz besonderes „Geschmäckle“ verleiht.

Ich habe bislang kein Mahl der Turmschenke zu mir genommen, kann also aus eigener Anschauung zu den dortigen Kochkünsten nichts sagen – vielleicht kann uns ein Leser dieses Blogs mehr dazu mitteilen oder der Maitre de Cuisine lädt den Schreiber dieser Zeilen (klar, samt Familie) zu einem Probeessen ein…

Zurück zum Berg. Geologen haben ihren besonderen Spaß rund um den Katzenbuckel, schließlich tummeln sie sich auf einem erloschenen Vulkan, inklusive herumliegender „Vulkanbomben“ und lehrreicher Aufschlüsse – da lacht das Geologenherz. Tatsächlich gibt es sogar einen „Pfad der Kristalle“, der auch Nicht-Geologen interessante Einblicke in das Sein und Werden der Gesteinswelt an diesem Ort bietet. Der See vor Ort gehört allerdings nicht direkt zum vulkanischen Erbe, ist also kein klassischer Kratersee. Wer sich etwas tiefer mit dem Thema der vulkanischen Vergangenheit des Katzenbuckels auseinander setzen mag, der kann auch eine Führung mit dem Ersteller des Geologie-Lehrpfades buchen, die Termine für die rund 1,5 bis 2 Stunden lange Mini-Exkursion auf dem Katzenbuckel kann man auf – hmmm, sagen wir mal „bunt-gestalteten“ Website von Dr. Landmann finden.

Interessant sind auch  Fauna und Flora des Katzenbuckels, die durch die, im Vergleich zum umliegenen Buntsandstein, andere Bodenbeschaffenheit (eher sauer) auch eine spezifische Pflanzenwelt beherbergt und damit verbunden auch ansonsten selten anzutreffende Tiere. Beispiel Ulmen-Zipfelfalter: Die hier zu findenden, mittlerweile selten gewordenen Berg-Ulmen sind notwendige Nahrung und Feinschmeckerkost für die Tierchen, die hier noch anzutreffen sind.

Ob Schmetterlingsbeobachter, Wanderer oder Freund der Geologie: der Katzenbuckel ist ein lohnenswertes Ausflugsziel, ein Odenwald-Tipp.

(Ein weiterer Tipp in der weiteren Umgebung Heidelbergs ist der Skulpturenpark in Seckach.

HEIDELBERG BLOG

2 Gedanken zu „Katzenbuckel – Der Mount Everest des Odenwaldes (mit Fotos)“

  1. Eine sehr schöne und durchaus gelungene Beschreibung meiner Heimat, für jemanden der nicht dort zuhause ist! In der Turmschenke kann man sehr gut essen, weil es dem Koch, den KöchInnen Freude bereitet und sie als höchstgelegenes Restaurant im Odenwald auch einen Ruf zu verteidigen haben.

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  2. Hallo Reiner,

    die Turmschenke ist seit einger Zeit geschlossen. Das Gebäude wurde saniert, und es war wohl ein holpriger Weg dahin. Geplant waren wohl auch Veranstaltungen aus dem „nicht-familientauglichen“ Bereich (davon ist auf der aktuellen Homepage aber nichts mehr zu sehen), eine zugesagte Förderung wurde zurückgezogen. Jetzt heißt der Laden „Villa Katzenbuckel“ und ist seit 18.5.20 „coronareduziert“ geöffnet.

    Gruß

    Frank

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